Kamerun

Allgemeines

Kamerun ist heute, nach Jahrzehnten deutscher, englischer und französischer Kolonialherrschaft eine Republik, Präsident Paul Biya ist seit 1983 im Amt.
Hauptstadt ist das in den Bergen Zentral-Kameruns gelegene Yaoundé, größte Stadt und wirtschaftliches Zentrum des Landes dagegen ist die Hafenstadt Douala.
Das Klima in Kamerun ist entsprechend der enormen Nord-Süd Ausdehnung des Landes sehr unterschiedlich. Von feucht-tropisch in den Regenwaldgebieten des Südens über angenehm warm in den Feuchtsavannen des sogenannten Graslandes im Westen bis zur extrem trockenen Sahelzone im äußersten Norden des Landes.

Eine Ausbildungsmaßnahme für Bäcker/Bäckerin in Douala

Bäckermeister Friedemann Weber Mitglied im Meisterprüfungsausschuss für das Bäckerhandwerk der Handwerkskammer Mannheim berichtet über seine Erfahrung und den Aufenthalt in der Ausbildungsstätte für Bäcker – Handwerker in Douala.
Bericht über eine Ausbildungsmaßnahme für Bäcker
Douala, Kamerun

Bericht über eine Ausbildungsmaßnahme für Bäcker

vom Bäckermeister Friedemann Weber über seinen Aufenthalt (Februar – März 2010) in Douala.

Aufgrund meiner früheren Erfahrungen in Togo wurde ich von Herrn Dikanya Mbakok angefragt, das Projekt einer Ausbildungsstätte für Bäcker – Handwerker in Douala, zu unterstützen.

Im Vorfeld meines Einsatzes vor Ort waren einige Sachfragen zu klären:
1. Wie sind die Räumlichkeiten, die Ausstattung mit Maschinen und Geräten auch hinsichtlich der Hygieneanforderungen vorhanden?
2. Welche Materialien stehen vor Ort zur Verfügung?
3. Wie stellt sich die Konkurrenzsituation dar, da sich das Projekt langfristig selbst finanzieren soll?
4. Welche Vorbildung ist von den Lehrlingen zu erwarten?
5. Wie ist es mit dem wirtschaftlichen Einsatz von Energie (Strom, Gas, Öl, Holz) bestellt?

Nach meinen Beobachtungen gibt es wohl in den meisten afrikanischen Ländern weder eine staatliche, noch eine berufsständische Berufsausbildung und somit auch keine Qualifizierung im Sinne von Abschlussprüfungen oder Diplomen. Ich hatte demnach die Aufgabe, 5 jungen Leuten, die schon erste Kenntnisse von Bäckerei hatten, grundlegendes Wissen und Können zu vermitteln. Dabei gab es bei der technischen Ausstattung erhebliche Defizite, einiges lief schon recht gut, wie z.B. Berliner backen in einem hervorragenden heimischem Palmöl. Bei sonstigen Zutaten wie Margarine, Schokoladenerzeugnissen, Milchprodukte usw. ist man auf minderwertige Importwaren angewiesen, die zudem noch viel zu teuer sind. Da es nur helles Weizenmehl gibt, ist die Auswahl von Backwaren natürlich sehr klein.

Aufgrund der französischen Kolonialzeit ist das Baguette ganz klar die Visitenkarte einer Bäckerei in Kamerun. Mit Milchprodukten zu arbeiten scheiterte, da sowohl Quark als auch Reibekäse nicht bezahlbar waren. Mit Laugengebäck gab es vielversprechende Versuche, das Angebot auszuweiten.
Richtig erfolgreich war mein theoretischer Unterricht, der ohne die bei uns obligatorischen Fachbücher laufen mußte. Alle Lehrlinge konnten am Ende ihre Rezepte aus – und umrechnen, Teigausbeute und Mehlzusammensetzung benennen und etwas Allgemeinwissen in Ökonomie und Politik vorweisen. Ganz wichtig war die Exkursion zur „Grand Moullin de Camerun“, die nach europäischem Standard arbeitet. Diese Erfahrung hat unseren Lehrlingen eine ganze Menge an Verständnis für das wichtigste Material in der Bäckerei gebracht. Deren Know How wird das Projekt auch weiter fördern und begleiten.

Für die nächste Zukunft des Projektes ist zu überlegen, wie die technische Ausstattung verbessert werden kann. Natürlich ist das geringe Preisniveau ausschlaggebend für den Fortschritt, besonders in der Backofentechnik. Die übliche Holzfeuerung ist zwar kostengünstig, erlaubt aber keinerlei Temperaturregelung und Überwachung. Auch bin ich der Meinung, dass über den technischen Standard die Qualität der Produkte verbessert werden kann und somit eine bessere Wertschöpfung zu erreichen ist. Folglich können auch soziale Standards der Mitarbeiter verbessert werden. Erfreulich die neuesten Rückmeldungen aus Kamerun: die Bäcker haben ihre Qualität weiter verbessern können und führen die Bäckerei weitgehend selbständig.

Eine Schule für Banenga ( German Cameroonian Know How School )

Zurzeit planen wir eine Grund- und Berufsschule im Grasland von Kamerun einzurichten. Hier soll vor allem Kindern, deren Familien eine Ausbildung sonst nicht finanzieren könnten, die Möglichkeit gegeben werden eine ordentliche Schulbildung zu erlangen und anschließend eine Berufsausbildung machen zu können. Für diese Schüler soll stets ein bestimmter Prozentsatz an Ausbildungsplätzen zur Verfügung stehen, für die übrigen soll wenn möglich, ein angemessenes Schulgeld erhoben werden.

Als Möglichkeiten für eine weiterführende Ausbildung nach der der sechsjährigen Grundschule sind folgende Fächer geplant:
Bau, Holz Und Metallverarbeitung, Biologische Landwirtschaft, Elektro- und Informationstechnik.

Momentan gibt es in Kamerun kaum Berufsschulen und wer eine Ausbildung machen möchte muss, wie in vielen afrikanischen Ländern, einen Meister finden und diesen für die Lehre bezahlen.

Berufliche Ausbildung bietet dem Einzelnen eine Lebensperspektive und kann gleichzeitig helfen, Techniken zu vermitteln, deren Anwendung auch der Gesellschaft hilft. Ressourcenschonende Bautechniken beispielsweise sind wirtschaftlich und helfen gleichzeitig die bedrohte Natur Kameruns zu schützen. Klimagerechtes Bauen dagegen, hilft das Leben angenehmer zu machen und spart Energie und Geld.

Neben den Lehrplänen, die ein besonderes Augenmerk auf Prinzipien der Nachhaltigkeit legen werden und der Anwendung einfacher und ökologischer Verfahren beim Bau der Gebäude, kann eine solche Schule aber auch in vielen anderen Bereichen positiv Einfluss auf ihr Umfeld haben, Gemeinschaft fördern und Entwicklung anstoßen.

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