Bericht über eine Ausbildungsmaßnahme für Bäcker

Douala, Kamerun | vom Bäckermeister Friedemann Weber über seinen Aufenthalt in Douala.

Aufgrund meiner früheren Erfahrungen in Togo wurde ich von Herrn Dikanya Mbakok angefragt, das Projekt einer Ausbildungsstätte für Bäcker – Handwerker in Douala, zu unterstützen.

Im Vorfeld meines Einsatzes vor Ort waren einige Sachfragen zu klären:
1. Wie sind die Räumlichkeiten, die Ausstattung mit Maschinen und Geräten auch hinsichtlich der Hygieneanforderungen vorhanden?
2. Welche Materialien stehen vor Ort zur Verfügung?
3. Wie stellt sich die Konkurrenzsituation dar, da sich das Projekt langfristig selbst finanzieren soll?
4. Welche Vorbildung ist von den Lehrlingen zu erwarten?
5. Wie ist es mit dem wirtschaftlichen Einsatz von Energie (Strom, Gas, Öl, Holz) bestellt?

Nach meinen Beobachtungen gibt es wohl in den meisten afrikanischen Ländern weder eine staatliche, noch eine berufsständische Berufsausbildung und somit auch keine Qualifizierung im Sinne von Abschlussprüfungen oder Diplomen. Ich hatte demnach die Aufgabe, 5 jungen Leuten, die schon erste Kenntnisse von Bäckerei hatten, grundlegendes Wissen und Können zu vermitteln. Dabei gab es bei der technischen Ausstattung erhebliche Defizite, einiges lief schon recht gut, wie z.B. Berliner backen in einem hervorragenden heimischem Palmöl. Bei sonstigen Zutaten wie Margarine, Schokoladenerzeugnissen, Milchprodukte usw. ist man auf minderwertige Importwaren angewiesen, die zudem noch viel zu teuer sind. Da es nur helles Weizenmehl gibt, ist die Auswahl von Backwaren natürlich sehr klein.

Aufgrund der französischen Kolonialzeit ist das Baguette ganz klar die Visitenkarte einer Bäckerei in Kamerun. Mit Milchprodukten zu arbeiten scheiterte, da sowohl Quark als auch Reibekäse nicht bezahlbar waren. Mit Laugengebäck gab es vielversprechende Versuche, das Angebot auszuweiten.
Richtig erfolgreich war mein theoretischer Unterricht, der ohne die bei uns obligatorischen Fachbücher laufen mußte. Alle Lehrlinge konnten am Ende ihre Rezepte aus – und umrechnen, Teigausbeute und Mehlzusammensetzung benennen und etwas Allgemeinwissen in Ökonomie und Politik vorweisen. Ganz wichtig war die Exkursion zur „Grand Moullin de Camerun“, die nach europäischem Standard arbeitet. Diese Erfahrung hat unseren Lehrlingen eine ganze Menge an Verständnis für das wichtigste Material in der Bäckerei gebracht. Deren Know How wird das Projekt auch weiter fördern und begleiten.

Für die nächste Zukunft des Projektes ist zu überlegen, wie die technische Ausstattung verbessert werden kann. Natürlich ist das geringe Preisniveau ausschlaggebend für den Fortschritt, besonders in der Backofentechnik. Die übliche Holzfeuerung ist zwar kostengünstig, erlaubt aber keinerlei Temperaturregelung und Überwachung. Auch bin ich der Meinung, dass über den technischen Standard die Qualität der Produkte verbessert werden kann und somit eine bessere Wertschöpfung zu erreichen ist. Folglich können auch soziale Standards der Mitarbeiter verbessert werden. Erfreulich die neuesten Rückmeldungen aus Kamerun: die Bäcker haben ihre Qualität weiter verbessern können und führen die Bäckerei weitgehend selbständig.

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